Nachtkerze

Die Nachtkerze – wenn die Schönheit erst am Abend beginnt

Warum diese besondere Wildpflanze viel mehr kann, als nur schön auszusehen

Es gibt Blumen, die morgens ihre Blüten öffnen und uns den ganzen Tag über begleiten.

Und dann gibt es die Nachtkerze.

Wenn andere Blüten langsam müde werden und sich schließen, beginnt sie erst richtig aufzuleuchten. Ihre leuchtend gelben Blüten öffnen sich am Abend und begleiten uns ein Stück in die Nacht.

Ich finde, darin steckt eine wunderschöne WellAging-Botschaft:

Nicht alles, was später kommt, wird weniger schön. Manches beginnt sogar erst dann richtig zu strahlen.

Die Nachtkerze ist für mich deshalb eine wunderbare Pflanze für alle, die sich mit natürlichem Älterwerden beschäftigen. Und gleichzeitig ist sie eine erstaunlich vielseitige Wildpflanze: Blüten, junge Blätter, Wurzeln und vor allem ihre Samen wurden und werden genutzt.

Und ja – auch das berühmte Nachtkerzenöl stammt von ihr.

Die Nachtkerze – eine Schönheit am Wegesrand

Die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist heute bei uns weit verbreitet. Man findet sie an Wegrändern, auf Brachflächen, Böschungen und sonnigen, eher trockenen Standorten.

Sie ist eine zweijährige Pflanze: Im ersten Jahr bildet sie vor allem eine Blattrosette, im zweiten Jahr schiebt sie ihren beeindruckenden Blütenstand in die Höhe.

Und dann wird es abends interessant.

Die gelben Blüten öffnen sich vergleichsweise schnell – manchmal kann man dieses Aufblühen tatsächlich beobachten. Ihr Duft und ihre helle Farbe machen sie für nachtaktive Bestäuber interessant.

Die Nachtkerze ist also nicht nur eine hübsche Gartenpflanze, sondern auch ein kleines Beispiel dafür, wie wunderbar Pflanzen an ihre Umwelt angepasst sind.

Und ist sie nun invasiv?

Das wird häufig behauptet. Ganz so einfach ist es nicht.

Die Nachtkerze ist bei uns ein Neophyt, also eine ursprünglich nicht heimische Pflanze. Sie kann sich durch ihre zahlreichen Samen kräftig ausbreiten und fühlt sich besonders auf offenen, sonnigen Flächen wohl.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Nachtkerze eine „invasive Art“ im Sinne des Naturschutzrechts ist.

Wenn sie bei dir im Garten auftaucht, musst du sie also nicht gleich mit schlechtem Gewissen ausreißen.

Wenn du ihre Ausbreitung begrenzen möchtest, kannst du einfach einen Teil der Samenstände entfernen, bevor sie vollständig ausreifen.

Ich persönlich würde ihr ein kleines Plätzchen gönnen.

Allein schon wegen ihrer wunderschönen Blüten.

Warum heißt sie eigentlich Nachtkerze?

Der Name ist ziemlich logisch: Sie beginnt am Abend zu blühen.

Der zweite Teil – „Kerze“ – beschreibt ihren hohen, aufrecht wachsenden Blütenstand. Wenn zahlreiche gelbe Blüten an ihm sitzen, erinnert er tatsächlich ein wenig an eine leuchtende Kerze.

Und vielleicht ist genau das ein schönes Bild für unsere zweite Lebenshälfte:

Wir müssen nicht jünger werden. Wir dürfen heller werden.

 

Was kann man von der Nachtkerze verwenden?

Überraschend viel.

Traditionell wurden verschiedene Pflanzenteile genutzt:

  • junge Blätter
  • junge Wurzeln
  • Blüten
  • Samen

Besonders bekannt sind natürlich die Samen, aus denen das Nachtkerzenöl gewonnen wird.

Für die heimische Küche sind vor allem junge Pflanzenteile interessant. Die späteren, älteren Blätter werden deutlich fester.

Bei allen Wildkräutern gilt: Nur Pflanzen verwenden, die sicher bestimmt wurden und nicht an belasteten Stellen wachsen – also beispielsweise nicht unmittelbar an viel befahrenen Straßen oder gespritzten Flächen.

Nachtkerzenblüten-Zucker

Das ist mein Lieblingsprojekt, wenn du die wunderschönen Blüten nicht einfach nur anschauen möchtest.

Die Blüten schmecken leicht süßlich und können wunderbar zum Aromatisieren und Dekorieren verwendet werden.

Du brauchst:

  • frische Nachtkerzenblüten
  • feinen Zucker

So geht’s:

Die Blüten vorsichtig von möglichen kleinen Tierchen befreien und mit Zucker vermischen.

Du kannst sie entweder gemeinsam fein zerreiben oder die Blüten mit dem Zucker vermengen und anschließend trocknen lassen.

Nach dem vollständigen Trocknen nochmals fein zerreiben und in ein sauberes, trockenes Glas füllen.

Der Zucker bekommt einen ganz feinen floralen Charakter.

Wunderbar für:

  • Desserts
  • Naturjoghurt
  • Porridge
  • selbst gebackene Kuchen
  • Kräuter- und Blütenzucker-Mischungen

Und optisch ist er natürlich ebenfalls etwas Besonderes.

Nachtkerzenblüten-Essig

Hier darf die Nachtkerze einmal in die herzhafte Küche.

Du brauchst:

  • eine Handvoll frische Nachtkerzenblüten
  • ca. 250 ml milden Apfelessig oder Weißweinessig

Die Blüten in ein sauberes Glas geben und mit dem Essig übergießen.

Das Glas verschließen und etwa zwei bis drei Wochen an einem dunklen, eher kühlen Ort ziehen lassen.

Anschließend durch ein feines Sieb oder einen Filter abgießen und in eine saubere Flasche füllen.

Der Essig eignet sich wunderbar für sommerliche Salate.

Kleiner Tipp: Ein paar Blüten in der Flasche sehen hübsch aus – für eine längere Aufbewahrung würde ich allerdings lieber nur den filtrierten Essig verwenden.

Nachtkerzenblüten als Blüten-Eiswürfel

Hier geht es weniger um Wirkstoffe und mehr um Lebensfreude.

Und genau das gehört für mich ebenfalls zu WellAging.

Einfach einzelne Blüten in Eiswürfelbehälter legen, mit Wasser auffüllen und einfrieren.

Die gelben Blüten sehen später wunderschön in:

  • Wasser
  • Kräuterlimonade
  • alkoholfreien Cocktails
  • Eistee

aus.

Ein kleiner Luxus aus dem Garten.

WellAging muss schließlich nicht immer nach Gesundheitsprogramm aussehen.

Nachtkerzen-Samen – der kleine Schatz der Pflanze

Wenn die Blütezeit vorbei ist, beginnt die zweite interessante Phase.

Die Nachtkerze bildet längliche Samenkapseln mit zahlreichen winzigen Samen.

Und diese Samen sind der Grund dafür, dass die Pflanze in der Naturheilkunde und Kosmetik so bekannt geworden ist.

Sie enthalten ein fettes Pflanzenöl mit einem bemerkenswerten Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren – darunter Gamma-Linolensäure (GLA).

Diese Fettsäure macht das daraus gewonnene Öl besonders interessant für die Hautpflege.

Aber Achtung:

Samen sind nicht gleich Nachtkerzenöl.

Das Öl muss tatsächlich aus den Samen gewonnen werden.

 

Nachtkerzensamen sammeln – und vielleicht selbst etwas ausprobieren…

Wer ein bisschen experimentierfreudig ist, kann die Samenstände im Herbst sammeln.

Dafür die vollständig ausgereiften, trockenen Samenkapseln abschneiden und an einem trockenen Ort nachtrocknen lassen.

Anschließend lassen sich die winzigen Samen vorsichtig herauslösen.

Das ist allerdings eine ziemliche Fleißarbeit.

Und damit sind wir bei der großen Frage:

Kann ich Nachtkerzenöl selbst herstellen?

Ja – aber nicht wirklich sinnvoll in der heimischen Küche.

Nachtkerzenöl wird aus den Samen gewonnen, üblicherweise durch Pressung beziehungsweise geeignete Extraktionsverfahren.

Das Problem ist die winzige Größe der Samen.

Du brauchst eine beträchtliche Menge Pflanzenmaterial, um überhaupt eine nennenswerte Menge Öl zu erhalten.

Mit einer normalen Haushalts-Ölpresse wäre das deshalb eher ein „Ich möchte unbedingt wissen, ob es geht“-Experiment als eine wirtschaftliche Methode zur Ölgewinnung.

Wenn du allerdings wirklich viele Nachtkerzen im Garten hast, könntest du die Samen sammeln, trocknen und eventuell bei einer geeigneten Ölmühle nachfragen, ob sie Kleinmengen verarbeitet.

Das hätte natürlich seinen ganz eigenen Charme:

Nachtkerzenöl aus den Samen der eigenen Wildpflanzen.

Für ein kleines Kräuterprojekt wäre das ziemlich großartig.

Und was hat das nun mit WellAging zu tun?

Eigentlich ziemlich viel.

Die Nachtkerze erinnert uns an etwas, das in unserer Gesellschaft gerne vergessen wird:

Wir sind keine Blumen, die morgens perfekt aussehen und danach zwangsläufig verwelken.

Das Leben hat Jahreszeiten.

Und jede Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit.

Die Nachtkerze blüht nicht dann, wenn alle anderen hinschauen.

Sie wartet bis zum Abend.

Dann öffnet sie ihre Blüten.

Ganz selbstverständlich.

Ohne Botox.
Ohne Faltenfilter.
Ohne den Versuch, sich jünger zu machen.

Sie ist einfach genau zu ihrer Zeit schön.

Und vielleicht ist das eine der schönsten Definitionen von WellAging:

Nicht jünger aussehen zu wollen, als man ist.
Sondern das eigene Alter mit Leben zu füllen.

Die Nachtkerze muss nicht zurück zum Frühling.

Sie hat ihre ganz eigene Zeit gefunden.

Und vielleicht dürfen wir das auch.

Nachtkerzenöl für die reife Haut

Und hier wird die Nachtkerze für das WellAging besonders interessant.

Nachtkerzenöl wird traditionell und kosmetisch vor allem wegen seines Fettsäurespektrums geschätzt. Die enthaltene Gamma-Linolensäure ist Bestandteil bestimmter körpereigener Lipidstrukturen und macht das Öl für die Pflege trockener und anspruchsvoller Haut interessant.

Ich würde es allerdings nicht als „Anti-Aging-Öl“ verkaufen.

Denn WellAging ist für mich etwas anderes als der Versuch, Alterung wegzucremen.

Es geht darum, die Haut gut zu versorgen, ihre natürliche Barriere zu unterstützen und ihr das zu geben, was sie mit zunehmendem Alter häufig besonders gut gebrauchen kann: sanfte, hochwertige Lipidpflege.

Nachtkerzenöl lässt sich beispielsweise mit Jojobaöl oder Hagebuttenkernöl kombinieren.

Ein einfaches Gesichtsöl könnte beispielsweise bestehen aus:

  • 50 % Jojobaöl
  • 30 % Nachtkerzenöl
  • 20 % Hagebuttenkernöl
  • optional etwas Vitamin E

Wenige Tropfen auf die noch leicht feuchte Haut geben.

Das ist keine Wunderkur.

Aber eine schöne, einfache Möglichkeit, reife Haut bewusst und natürlich zu pflegen.

Ein kleines Nachtkerzen-Ritual

Wenn du eine Nachtkerze in deinem Garten hast, probiere einmal etwas ganz Einfaches:

Geh an einem Sommerabend kurz vor Sonnenuntergang zu ihr.

Beobachte eine geschlossene Blüte.

Und bleib ein paar Minuten dort.

Vielleicht kannst du tatsächlich sehen, wie sie sich öffnet.

Kein Handy.
Keine To-do-Liste.
Kein „noch schnell“.

Nur du und eine Blume, die gerade ihren großen Moment hat.

Vielleicht ist WellAging manchmal genau das:
den eigenen Moment nicht zu verpassen.

Mein Fazit

Die Nachtkerze ist weit mehr als eine hübsche Wildpflanze, die sich gerne selbst aussät.

Ihre Blüten bringen Farbe und kleine kulinarische Experimente in die Küche.
Ihre jungen Pflanzenteile wurden traditionell als Nahrung verwendet.
Ihre Samen liefern das wertvolle Öl, für das die Pflanze heute besonders bekannt ist.
Und ihre abendliche Blüte schenkt uns eine wunderschöne Erinnerung daran, dass Schönheit keine Frage des Alters oder der Tageszeit ist.

Manche Blumen blühen eben erst am Abend.

Und genau deshalb finde ich, dass die Nachtkerze hervorragend zu „Wachsen statt welken“ passt. 🌻

Hinweis: Wildpflanzen bitte nur sicher bestimmt sammeln und nur an unbelasteten Standorten verwenden. Die beschriebenen Anwendungen sind kulinarische bzw. kosmetische Anregungen und ersetzen keine medizinische Behandlung.

Über mich

Ich bin Martina Sickinger – Heilpraktikerin, WellAging Coach und leidenschaftliche Naturfrau. Seit mehr als 35 Jahren beschäftige ich mich mit Gesundheit, Schönheit und der Frage, was uns wirklich dabei hilft, gut älter zu werden.

Heilpflanzen begleiten mich dabei schon lange. Ich liebe es, draußen unterwegs zu sein, Pflanzen zu entdecken, auszuprobieren und altes Wissen mit dem zu verbinden, was wir heute über unseren Körper wissen.

Denn für mich bedeutet WellAging nicht, dem Alter hinterherzulaufen. Es bedeutet, den eigenen Körper besser zu verstehen, ihn gut zu unterstützen – und neugierig und lebendig zu bleiben.

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