Kürbis

Kürbis & WellAging – der goldene Begleiter durch den Herbst

Ich mag Lebensmittel, die nicht so tun müssen, als wären sie etwas Besonderes.

Ein Kürbis braucht kein exotisches Superfood-Etikett, keinen komplizierten Namen und keine lange Liste von Versprechen. Er wächst hier bei uns, liegt im Herbst auf den Feldern und in den Gärten und lässt sich auf unzählige Arten zubereiten.

Und genau deshalb passt er für mich so wunderbar zum WellAging.

Denn bewusst älter zu werden bedeutet für mich nicht, ständig nach dem nächsten Wundermittel Ausschau zu halten. Es bedeutet vielmehr, wieder genauer hinzuschauen: Was wächst vor meiner Haustür? Was bekommt meinem Körper? Was schmeckt mir? Was tut mir gut?

Der Kürbis bringt dafür einiges mit.

Seine leuchtend orange Farbe verdankt er vor allem Carotinoiden wie Beta-Carotin. Beta-Carotin kann der Körper bei Bedarf in Vitamin A umwandeln. Außerdem liefert Kürbis unter anderem Ballaststoffe und Kalium und ist dabei vergleichsweise energiearm.

Aber Ernährung ist für mich mehr als eine Aufzählung von Nährstoffen.

WellAging beginnt auf dem Teller.

Der Kürbis – ein Stück Herbst auf dem Teller

Wenn im September und Oktober die ersten Kürbisse auf den Feldern liegen, verändert sich auch unsere Küche.

Plötzlich darf es wieder warm, würzig und gemütlich sein.

Kürbis lässt sich kochen, dünsten, backen, rösten oder pürieren. Er passt zu Gemüse und Hülsenfrüchten genauso wie zu Hirse, Reis oder Kartoffeln. Und selbst die Kerne müssen nicht im Biomüll landen.

Besonders interessant sind die Kürbiskerne: Sie enthalten unter anderem Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, Magnesium und Zink.

Aus WellAging-Sicht gefällt mir daran vor allem eines:

Wir müssen nicht immer mehr kaufen, um unseren Körper gut zu versorgen. Manchmal dürfen wir einfach wieder mehr aus dem machen, was schon da ist.

Kürbis und Ayurveda

Auch im Ayurveda hat die Ernährung einen besonderen Stellenwert. Nicht nur was wir essen, sondern auch wie, wann und in welcher Kombination wir essen, spielt eine Rolle.

Kürbis wird in der ayurvedischen Ernährungslehre häufig als eher süß und nährend beschrieben. Gleichzeitig spielt die Zubereitungsweise eine wichtige Rolle.

Und genau hier wird es spannend.

Denn ein großer Teller kalter Kürbissalat ist energetisch etwas anderes als ein warmes Kürbisgericht mit Ghee und Gewürzen.

Ayurveda betrachtet Lebensmittel deshalb nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit der individuellen Konstitution, der Jahreszeit und der Verdauungskraft.

Kürbis und Vata

Der Herbst wird im Ayurveda häufig mit Vata verbunden: trocken, kühl, beweglich und wechselhaft.

Da kann warme, gekochte und gut gewürzte Nahrung besonders angenehm sein.

Kürbis lässt sich dafür wunderbar einsetzen:

  • warm statt kalt
  • gekocht oder aus dem Ofen
  • mit etwas Ghee oder hochwertigem Öl
  • mit wärmenden Gewürzen wie Ingwer, Kreuzkümmel oder Zimt

So wird aus dem eher milden Kürbis eine richtig schöne Herbstmahlzeit.

Kürbis und Pitta

Bei Pitta darf die Zubereitung etwas milder ausfallen.

Sehr scharfe Gewürze sind nicht unbedingt nötig. Stattdessen können sanftere Kräuter und Gewürze verwendet werden.

Auch hier gilt: Ayurveda ist kein starres „Das darfst du – das darfst du nicht“.

Es geht vielmehr darum, wahrzunehmen:

Wie bekommt mir das, was ich gerade esse?

Kürbis und Kapha

Bei Kapha darf ein Kürbisgericht etwas leichter und würziger gestaltet werden.

Statt einer sehr schweren, reichhaltigen Kürbiscremesuppe kann beispielsweise gerösteter Kürbis mit Hülsenfrüchten und kräftigeren Gewürzen auf dem Teller landen.

Ingwer, Kreuzkümmel, Kurkuma oder schwarzer Pfeffer können hier interessante Begleiter sein.

Und auch hier gilt:

Nicht der Kürbis allein entscheidet darüber, wie bekömmlich eine Mahlzeit ist. Die gesamte Zusammenstellung macht den Unterschied.

Drei Kürbisrezepte für dein WellAging

Jetzt aber genug Theorie.

Denn Kürbis möchte meiner Meinung nach vor allem eines:

gegessen werden.

1. Goldener WellAging-Kürbis aus dem Ofen

Das ist eines meiner liebsten Prinzipien für Herbstgemüse: wenig Aufwand, viel Geschmack.

Du brauchst:

  • Hokkaido-Kürbis
  • Olivenöl oder Ghee
  • etwas Salz
  • Kurkuma
  • Kreuzkümmel
  • frisch geriebenen Ingwer
  • etwas schwarzen Pfeffer
  • Kürbiskerne
  • optional etwas Feta oder Naturjoghurt zum Servieren

So geht’s:

Den Kürbis waschen, halbieren, die Kerne entfernen und in Spalten oder Würfel schneiden. Beim Hokkaido darf die Schale übrigens dranbleiben.

Mit Olivenöl oder geschmolzenem Ghee und den Gewürzen vermischen und bei etwa 190–200 °C im Ofen rösten, bis der Kürbis weich und an den Rändern leicht gebräunt ist.

Zum Schluss mit gerösteten Kürbiskernen bestreuen.

Mein WellAging-Tipp:
Dazu passt ein Klecks Naturjoghurt oder etwas Feta und ein großer grüner Salat. So wird aus dem Kürbis eine sättigende Mahlzeit und nicht nur eine Beilage.

2. Herbstliche Kürbis-Hirse-Bowl

Hirse gehört für mich zu den unterschätzten Getreiden. Sie ist glutenfrei, vielseitig und lässt sich wunderbar mit den Aromen des Herbstes kombinieren.

Und wer meinen Hirsebrei kennt, weiß: Ich mag Hirse auch gerne etwas süßer. 😉

Für diese Bowl machen wir es aber herzhaft.

Du brauchst:

  • Hirse
  • Hokkaido- oder Butternut-Kürbis
  • Karotte
  • etwas Olivenöl oder Ghee
  • Kürbiskerne
  • Petersilie oder andere frische Kräuter
  • etwas Zitronensaft
  • Salz
  • Kreuzkümmel
  • Kurkuma
  • optional Kichererbsen

Zubereitung:

Die Hirse nach Packungsanleitung garen.

Den Kürbis und die Karotte würfeln und im Ofen rösten oder in der Pfanne dünsten. Mit Kurkuma und Kreuzkümmel würzen.

Hirse, Gemüse und – wenn gewünscht – Kichererbsen in einer Schüssel anrichten.

Mit Kürbiskernen, Kräutern und einem Spritzer Zitronensaft abschließen.

Wer möchte, gibt noch einen kleinen Klecks Naturjoghurt dazu.

Das ist für mich WellAging-Küche: einfach, saisonal, bunt und sättigend – ohne dass man dafür zehn exotische Zutaten bestellen muss.

3. Wärmendes Ayurveda-Kürbiscurry

Jetzt darf es ein bisschen exotischer werden.

Denn Kürbis verträgt Gewürze ganz hervorragend.

Du brauchst:

  • Kürbis
  • rote Linsen
  • Karotte
  • Zwiebel
  • etwas Kokosmilch
  • Gemüsebrühe
  • Ingwer
  • Kurkuma
  • Kreuzkümmel
  • etwas Koriander
  • optional etwas schwarzer Pfeffer
  • Ghee oder Kokosöl
  • frische Kräuter

Zubereitung:

Zwiebel und Ingwer in etwas Ghee oder Öl sanft anbraten.

Kurkuma, Kreuzkümmel und die übrigen Gewürze kurz dazugeben.

Kürbis und Karotte hinzufügen und mit Gemüsebrühe aufgießen.

Die roten Linsen dazugeben und alles köcheln lassen, bis Gemüse und Linsen weich sind.

Zum Schluss etwas Kokosmilch unterrühren.

Mit frischen Kräutern servieren.

Dazu passen Reis oder – besonders schön herbstlich – Hirse.

Kleine Ayurveda-Notiz:
Wenn du dich an den Doshas orientierst, kannst du das Gericht entsprechend anpassen: etwas mehr Wärme und Würze für Vata, milder für Pitta und eher leicht und kräftig gewürzt für Kapha.

Und was ist mit den Kürbiskernen?

Bitte nicht wegwerfen.

Die Kerne lassen sich waschen, trocknen und im Ofen rösten. Mit etwas Salz und Gewürzen werden sie zu einem wunderbaren Topping für Suppen, Salate, Bowls oder einfach zum Knabbern.

Kürbiskerne liefern unter anderem pflanzliches Eiweiß, Magnesium, Zink und ungesättigte Fettsäuren.

Und ich mag an ihnen noch etwas anderes:

Sie erinnern uns daran, dass ein Lebensmittel oft mehr zu bieten hat, als wir auf den ersten Blick sehen.

WellAging ist keine Diät

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Kürbis-Artikels.

WellAging bedeutet nicht, ab einem bestimmten Alter plötzlich nur noch „gesunde“ Lebensmittel zu essen.

Es bedeutet auch nicht, jedes Gramm Zucker zu zählen, Kohlenhydrate zu verteufeln oder den Speiseplan in „erlaubt“ und „verboten“ einzuteilen.

Unser Körper verändert sich mit den Jahren.

Unsere Bedürfnisse können sich verändern. Unsere Verdauung kann empfindlicher werden. Muskelmasse, Stoffwechsel und Hormonhaushalt verändern sich. Und irgendwann merken viele von uns:

Was ich mit 25 problemlos vertragen habe, fühlt sich mit 55 vielleicht nicht mehr genauso gut an.

Das ist kein Versagen.

Das ist Körperwissen.

Und genau dieses Körperwissen dürfen wir wieder lernen.

Vom „gesund essen“ zum bewussten Essen

Vielleicht ist das auch der schönste Gedanke, den uns der Kürbis mitgeben kann.

Wir müssen nicht ständig optimieren.

Wir dürfen wieder wahrnehmen.

Wie fühlt sich mein Körper nach dieser Mahlzeit an?

Bin ich satt – oder nur voll?

Habe ich Energie?

Bekomme ich Lust auf Bewegung?

War die Mahlzeit warm und wohltuend oder liegt sie mir schwer im Magen?

Und vor allem:

Hat sie mir geschmeckt?

Denn auch Genuss gehört für mich zum WellAging.

Ein Leben, das zwar perfekt gesund, aber völlig freudlos ist, kann nicht unser Ziel sein.

Der Kürbis als "WellAging-Tool" 🙂

Vielleicht gefällt mir der Kürbis deshalb so gut.

Er ist nicht instagrammable, weil irgendein Influencer ihn gerade zum neuen Superfood erklärt hat.

Er ist einfach da.

Er wächst langsam.

Er braucht seine Zeit.

Er wird größer und reifer.

Und wenn der Herbst kommt, zeigt er seine Farbe.

Eigentlich gar nicht so weit entfernt von dem, was ich unter bewusstem Älterwerden verstehe.

Du musst nicht jünger werden.
Du sollst nur gesünder älter werden.

Und vielleicht bedeutet das manchmal einfach:

einen Kürbis vom Feld holen,
etwas Warmes daraus kochen,
in Ruhe essen
und dabei merken:

Das Leben darf auch im Älterwerden immer noch richtig gut schmecken.


Dein WellAging-Herbsttipp

Wenn du das nächste Mal an einem Kürbisstand vorbeikommst, nimm einen mit.

Nicht, weil er ein „Superfood“ ist.

Sondern weil er saisonal ist, vielseitig, nährstoffreich und einfach wunderbar in den Herbst passt.

Und dann probiere etwas Neues damit aus.

Vielleicht ein Curry.

Vielleicht die Hirse-Bowl.

Oder ganz schlicht Kürbisspalten aus dem Ofen.

WellAging darf nämlich auch ganz einfach sein.

Über mich

Ich bin Martina Sickinger – Heilpraktikerin, WellAging Coach, Kräuterpädagogin und Naturtherapeutin. Seit mehr als 35 Jahren beschäftige ich mich mit Gesundheit, Wohlbefinden und der Frage, was uns dabei unterstützt, nicht jünger, sondern gesund und lebendig älter zu werden.

Dabei verbinde ich naturheilkundliches Wissen mit Ayurveda, Heilpflanzen, Körperwissen, Naturerfahrung und einem guten Schuss Bodenständigkeit.

Denn ich glaube nicht an die eine perfekte Methode.

Ich glaube daran, dass wir unseren eigenen Körper wieder besser kennenlernen dürfen.

Und genau darum geht es auch in meinem E-Book

„Hör doch endlich deinem Körper zu“

Unser Körper spricht ständig mit uns – durch Müdigkeit, Verspannungen, Verdauung, Schlaf, Energie und viele kleine Signale im Alltag.

Wir haben nur oft verlernt, hinzuhören.

In meinem E-Book geht es darum, diese Signale wieder bewusster wahrzunehmen, Zusammenhänge zu verstehen und Schritt für Schritt herauszufinden, was dein Körper wirklich braucht.

Nicht gegen deinen Körper arbeiten.
Sondern anfangen, mit ihm zu arbeiten.

 

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